Die Set-Point-Theorie: Warum dein Körper sein Fett verteidigt
Kennst du den Jojo-Effekt? Dein Körper hat ein 'Gewichts-Gedächtnis'. Erfahre, wie die Set-Point-Theorie funktioniert und wie du diesen inneren Thermostat langfristig verstellst.
Hast du dich schon einmal gefragt, warum du nach einer strengen Diät fast magisch wieder bei deinem Ausgangsgewicht landest? Oder warum manche Menschen essen können, was sie wollen, ohne zuzunehmen, während du das Gefühl hast, vom Anschauen eines Salatblattes schwerer zu werden?
Die Antwort liegt nicht in fehlender Disziplin. Sie liegt in deiner Biologie. Wissenschaftler nennen dieses Phänomen die Set-Point-Theorie.
Das innere Thermostat: Was ist der Set-Point?
Stell dir dein Körpergewicht wie die Temperatur in deinem Wohnzimmer vor. Du stellst das Thermostat auf 21 Grad ein. Wenn du im Winter das Fenster öffnest, sinkt die Temperatur kurzzeitig. Aber was passiert dann? Die Heizung springt an und arbeitet auf Hochtouren, um die 21 Grad wieder zu erreichen.
Genau so funktioniert dein Körperfettanteil. Dein Gehirn (speziell der Hypothalamus) hat einen "Soll-Wert" für dein Gewicht gespeichert. Dieser Wert wird durch Genetik, Hormone und deine Lebensweise in der Vergangenheit bestimmt. Sobald du versuchst, diesen Wert durch eine Diät aggressiv zu unterschreiten, aktiviert dein Körper Gegenmaßnahmen.
Die evolutionäre Bremse: Diät = Hungersnot
Warum sabotiert dich dein eigener Körper? Aus evolutionärer Sicht ist Gewichtsverlust eine existenzielle Bedrohung. Für unsere Vorfahren bedeutete Fett den Unterschied zwischen Leben und Tod. Wenn sie Gewicht verloren, herrschte eine Hungersnot.
Dein Körper weiß nicht, dass du im 21. Jahrhundert lebst und nur für den Strandurlaub abnehmen willst. Er registriert das Kaloriendefizit und schaltet in den Überlebensmodus: Er drosselt den Stoffwechsel und macht dich hungriger.
Der Hormon-Cocktail gegen dich
Die Verteidigung des Set-Points wird biochemisch gesteuert, vor allem durch zwei Hormone:
- Leptin (Sättigung): Wird in den Fettzellen produziert. Wenn du abnimmst, sinkt der Leptin-Spiegel. Dein Gehirn bekommt das Signal: "Energiereserven kritisch!"
- Ghrelin (Hunger): Steigt an, wenn du weniger isst. Es sorgt dafür, dass Essen plötzlich viel attraktiver riecht und schmeckt.
Es ist oft schwer zu unterscheiden, ob man wirklich Energie braucht oder ob die Hormone Achterbahn fahren. Um das besser zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die 3 Arten von Hunger, die wir oft verwechseln.
Kann man den Set-Point verändern?
Die gute Nachricht: Der Set-Point ist nicht in Stein gemeißelt. Er ist eher wie ein Gummiband – dehnbar, aber mit Widerstand. Wenn du ihn dauerhaft verschieben willst, musst du langsam vorgehen.
Crash-Diäten funktionieren nicht, weil sie den Alarm im Gehirn zu schnell auslösen. Um den Set-Point nach unten zu korrigieren, brauchst du:
- Geduld: Ein langsamer Gewichtsverlust (ca. 0,5% des Körpergewichts pro Woche) alarmiert das System weniger.
- Nährstoffdichte: Fokus auf Protein und Ballaststoffe, um die Sättigungshormone natürlich zu stimulieren.
- Entspannung: Chronischer Stress erhöht den Cortisolspiegel, was den Set-Point oft nach oben treibt. Abnehmen ohne Stress ist daher keine Floskel, sondern eine biologische Notwendigkeit.
Dein Weg zum Wunschgewicht
Dein Körper ist kein Feind, den es zu besiegen gilt, sondern ein Partner. Wenn du verstehst, wie er sein Fett verteidigt, kannst du mit ihm arbeiten statt gegen ihn. Verschiebe deinen Set-Point sanft und dauerhaft, statt ihn mit radikalen Diäten zu schocken.
Jetzt kostenlos testen (30 Tage)Häufige Fragen
Ist der Set-Point genetisch festgelegt?▼
Wie lange dauert es, den Set-Point zu senken?▼
Über den Autor
Bernhard Schirnhofer
Gründer von MySlimBody. Experte für datenbasiertes Abnehmen und Gewohnheits-Psychologie.